Café Josephinum
Café Josephinum (9, Währinger Straße 33-35).
Das Café Josephinum war ein Kaffeehaus im 9. Wiener Gemeindebezirk, das als Treffpunkt für die Diskussionsrunden des Wiener Kreises fungierte.
Nachdem Friedrich Waismann und Herbert Feigl, Dissertanten von Moritz Schlick, ihm 1924 vorschlugen, aus seinem Abendkolloquium eine regelmäßige Diskussionsrunde zu Themen der wissenschaftlichen Weltauffassung zu veranstalten, entstand der Wiener Kreis (zunächst "Schlick-Zirkel"). Die Treffen fanden ab Herbst alle zwei Wochen donnerstags in der Boltzmanngasse 5 (Mathematisches Seminar der Universität Wien) statt. Die Nachbesprechungen, die oft bis spät in die Nacht gingen, wurden dann ins in der Nachbarschaft gelegene Café Josephinum verlegt. Die wissenschaftlichen Diskussionen fanden so in einem öffentlichen Raum statt, was die Dynamik des Kreises verstärkte.
Im Café Josephinum fand außerdem am 2. November 1927 die gründende Generalversammlung des Klubs der Kinoamateure statt, bei der Carl Maria Kotlik (Obmann), Emil Duschanek (Obmann-Stellvertreter), Hans Kopp (Schriftführer), Friedrich Kuplent (Kassier) und Louis Kainrath (Beisitzer) in den Vorstand gewählt werden. Der KdKÖ ist ein Verein, der „auf gemeinnütziger Grundlage die Pflege und Förderung des Amateurfilmwesens in Österreich“ bezweckt (Statuten des KdKÖ) und als der älteste Amateurfilmklub Österreichs gilt.
Das Café Josephinum gibt es heute nicht mehr.
Literatur
- Volker Thurm (unter Mitarbeit von Elisabeth Nemeth): Wien und der Wiener Kreis. Orte einer unvollendeten Moderne. Ein Begleitbuch. Wien: Facultas Verlags- und Buchhandels AG 2003
- Christoph Limbeck-Lilienau / Friedrich Stadler: Der Wiener Kreis. Texte und Bilder zum Ursprung des Logischen Empirismus. Wien: LIT Verlag 2015
- Friedrich Stadler: Der Wiener Kreis. Ursprung, Entwicklung und Wirkung des Logischen Empirismus im Kontext. Überarbeitete Auflage. Cham: Springer 2015 (Veröffentlichungen des Instituts Wiener Kreis, 20) [1. Aufl. 1997]
