Café Arkaden

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Café Arkaden, 1905
Daten zur Organisation
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48° 12' 50.26" N, 16° 21' 31.95" E  zur Karte im Wien Kulturgut

Café Arkaden (1., Reichsratsstraße 31, Universitätsstraße 3), benannt unter Bezugnahme auf die Arkadenhäuser des Rathausviertels; heute Café Votiv (Votiv-Espresso) (1., Reichsratsstraße 17).

Geschichte

Das Arkadencafé (auch "Arcadencafé") wurde 1883 von Franz. R. von Neumann entworfen.

Hier gründeten der Kabarettist Teddy Bill und der Librettist Hans Lengsfelder das Cabaret „Regenbogen" (für das auch Hans Weigel textierte); 1935-1938 spielte hier das ABC-Kabarett. Jura Soyfer gelang dort mit der Uraufführung von "Der Weltuntergang oder Die Welt steht auf kein' Fall mehr lang" der Durchbruch. Weitere Autoren waren unter anderem Fritz Eckhardt, Peter Hammerschlag und Walter Lindenbaum. Am 12. März 1938 fand die letzte Vorstellung statt.

Das Arkadencafé war außerdem ein Treffpunkt für die Mitglieder des Wiener Kreises. Heinrich Neider (1907–1990), der ab 1927/1928 regelmäßig am Schlick-Zirkel teilnahm und auch bei ihm promovierte, schrieb über seine ersten Kontakte mit dem Philosophenkreis im Arkadencafé um 1925:

"Am Ende des zweiten Semesters saß ich im Cafe ‚Arkadenʻ, nebenan saßen einige Kollegen, nämlich Feigl, Natkin und Carnap, der gerade nach Wien gekommen war. Wir sprachen von Zukunftsplänen, und ich sagte: ‚ich möchte jetzt gerne im nächsten Semester nach Freiburg zu Husserl gehenʻ. Natkin begann zu lachen und sagte: ‚Es gibt also jetzt noch Menschen, die nach Freiburg gehen, und aus der ganzen Welt strömen die Menschen nach Wien, dem neuen Mekka der Philosophie. Und dann gibt es einen Wiener, der nach Freiburg will.ʻ Ich war höchst amüsiert, aber er führte das aus: ‚Wenn ich Physik studieren will, dann werde ich nach Göttingen gehen, bei Philosophie nach Wien.ʻ Ich begann nachzudenken, wir debattierten lang; Carnap war ein sehr geschickter Debattenredner, der sehr überzeugend formulierte und mich sehr beeindruckte. Er hat damals die Vorlesungen noch nicht aufgenommen. Es wurde spät, sie sagten: ‚Wollen Sie nicht mitkommen, wir gehen jetzt zu Neurath.ʻ Ich fragte: ‚Wer ist Neurath?ʻ Und wieder sagte Natkin, ein klein gewachsener Mann aus Lodz in Polen: ‚Sie kennen nicht den Neurath? Neurath ist der witzigste Mann von Wien.ʻ So kam ich also zu Neurath, der damals im fünften Bezirk in einem alten, sehr heruntergekommenen Haus wohnte. Es roch gräßlich. Wir kamen zur Wohnungstür. Die Tür wurde von einer blinden Frau geöffnet: Frau Neurath. Sie führte uns zu ihrem Mann, der schlief, sie mußte ihn wachrütteln, da wachte er auf. Er war ein enormer Mensch, groß wie ein Elefant … Ich wurde ihm vorgestellt. Die erste Frage war: ‚Was studieren Sie?ʻ Ich sagte: ‚Philosophie, reine Philosophie.ʻ Und er: ‚Wie kann man so etwas Schmutziges machen? Warum studieren Sie nicht gleich Theologie?ʻ Das war der erste Empfang bei Neurath. Im weiteren Gespräch ging es hoch her. Man kam vom Hundertsten ins Tausendste. Neurath war ungeheuer anregend, hielt lange Vorlesungen über die Philosophie der Patristik, Naturalrechnung, Grenznutzentheorie, Wahrscheinlichkeitstheorie. Das wurde alles im Laufe von einigen Stunden von ihm aufgeworfen. Die anderen kamen nur teilweise mit. Dann kam er sofort in Zukunftspläne, wollte eine Zeitschrift gründen, einen Verband gründen; Neurath war der große Aktivist. Bei ihm war das Wissen und das Denken immer nur ein Hilfsmittel zum eigentlichen Tun, das für ihn ja doch à la longue die Revolution war … Durch Feigl und Carnap kam ich sehr rasch in das Seminar von Schlick, und obwohl ich mich da eher als enfant terrible aufführte, schien Schlick an mir Gefallen zu finden und lud mich schon im Winter 1927/1928 also im 3. Semester, in sein AbendPrivatissimum ein, also das, was später der ‚Wiener Kreisʻ genannt wurde."[1]

Heute befindet sich an der Stelle des Arkadencafés das Café Votiv.

Literatur

  • Christoph Limbeck-Lilienau / Friedrich Stadler: Der Wiener Kreis. Texte und Bilder zum Ursprung des Logischen Empirismus. Wien: LIT Verlag 2015
  • Friedrich Stadler: Der Wiener Kreis. Ursprung, Entwicklung und Wirkung des Logischen Empirismus im Kontext. Überarbeitete Auflage. Cham: Springer 2015 (Veröffentlichungen des Instituts Wiener Kreis, 20) [1. Aufl. 1997]
  • Volker Thurm (unter Mitarbeit von Elisabeth Nemeth): Wien und der Wiener Kreis. Orte einer unvollendeten Moderne. Ein Begleitbuch. Wien: Facultas Verlags- und Buchhandels AG 2003
  • Neider, Heinrich, 1977, »Gespräch mit Heinrich Neider: Persönliche Erinnerungen an den Wiener Kreis«, in: Marek u. a. (Hg.), S. 21–42.
  • Rudolf Weys: Cabaret und Kabarett (1970), S. 61 f.

Referenzen

  1. Neider 1977, S. 21