Alois Melichar
Alois Melichar, * 18. April 1896 Wien, † 9. April 1976 München, Komponist, Dirigent, Musikschriftsteller, Musiker, Arrangeur.
Biografie
Alois Johann Melichar wurde in Wien Favoriten am Laaerberg geboren. Er war der Sohn des Kapellmeisters Franz Melichar (25.07.1866–1913) und der Aloisia Melichar (20.05.1872–1957), geborene Hauer, die aus dem Waldviertel stammte. Sein älterer Bruder Franz Alexius (* 1892, † 1972) wurde Kapellmeister in Wien, über das Leben seiner beiden Schwestern ist nichts bekannt. Seine musikalische Grundausbildung erhielt er durch den Vater – schon früh spielte er Geige in dessen Orchester in einem der zahlreichen Praterkaffeehäuser. Nach dem frühen Tod Franz Melichars unterstütze Alois den Unterhalt von Mutter und Schwestern als Barpianist und als Pianist in Kinos. Auf Wunsch der Mutter besuchte er von 1917 bis 1920 zunächst die Lehrerbildungsanstalt. Dann studierte er Musik an der Wiener Musikakademie, Theorie bei Josef Marx, Klavier bei Louis Thern und Pauke bei Hans Schnellar. 1920 folgte er Franz Schreker gemeinsam mit Ernst Krenek und anderen nach Berlin und studierte bei ihm bis 1923 Komposition.
Im Jahr 1923 heiratetet Alois Melichar in Berlin Maria Krebs. Die drei Söhne waren der Redakteur Franz (* 1924, † 1974), der Burgschauspieler Rudolf (* 1929) und der Jurist Ferdinand (* 1938).
Von 1923 bis 1926 nahm Alois Melichar eine Stelle in Russland an, war in Samarkand, Buchara und Aserbeidschan, dirigierte in Leningrad und Moskau. 1926/1927 arbeitete er als Musikkritiker bei der Allgemeinen Deutschen Zeitung in Berlin. Anschließend war er bis 1933 als Produktionsberater und Dirigent bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft tätig. Ab 1933 kam er auf Vermittlung von Erich Kleiber als Komponist zum Film und schrieb zahlreiche Filmmusiken. Um 1942 dürfte Melichar wieder nach Wien übersiedelt sein. Als Dirigent stand er vor zahlreichen Orchestern von Weltruf, wie auch den Berliner Philharmonikern.
Während der Zeit des Nationalsozialismus hatte er wenig bis keine Einschränkungen in der Arbeit. Er trat aber nicht der NSDAP bei und verlor dadurch eine Stelle als Hausdirigent bei der "deutschen Grammophon AG". Seiner Karriere tat dies aber keinen Abbruch. Als Dirigent, Komponist und Arrangeur war er in zahlreichen Rundfunksendungen vertreten. 1938 wurde er als Kultursenator für den Reichskultursenat nominiert, aber nicht berufen. Er schrieb Musik zu Propagandafilmen und stand auf der "Gottbegnadeten-Liste" des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda. Nach dem Krieg versuchte er seine aktive Rolle zu verschleiern, indem er behauptete, seine Verträge in Berlin seien aufgrund der Ablehnung des "Hitlerismus" aufgelöst worden und er sei mit Dirigierverbot belegt und vom Regime unterdrückt worden.
Ab 1946 leitetet er beim Sender "Rot-Weiß-Rot" das "Studio für moderne Musik" und war als Dirigent, unter anderem für die Wiener Philharmoniker und die Wiener Symphoniker tätig. So dirigierte er beispielsweise am 16. und 17. Februar 1949 im Großen Musikvereinssaal das Franz-Schmidt-Gedächtniskonzert der Wiener Symphoniker.
Später lebte er als freischaffender Komponist in München. Als Musikpublizist wandte er sich scharf gegen die Zwölftontechnik und die Atonalität und verehrte stattdessen Franz Schmidt, Richard Strauss und Richard Wagner.
Seine größten Erfolge erzielte er als Filmkomponist, doch wurden auch seine Wienerlieder bekannt, darunter "An der Donau der Wein blüht".
Alois Melichar starb in München und wurde auf dem Friedhof in Dorfgastein bestattet.
Quellen
- Meldezettel (WStLA, BPD Wien: Historische Meldeunterlagen, K11)
- Matricula Online: Taufbuch der Pfarre Wien 10., St. Johann Evangelist, Signatur: 01-34, folio 263
- ANNO: Ernst ist die Kunst, heiter der Künstler. In: Das kleine Blatt, 22.07.1944, S. 5
- ANNO: Musik zu einem großen Film. In: Illustrierte Kronen Zeitung, 22.07.1944, S. 5
- ANNO: Kampfansage an die moderne Musik. In: Wiener Kurier, 30.08.1952, S. 12
Literatur
- Fred Prieberg: "Melichar, Alois". In: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945, 2009
- Barbara Boisits: Artikel "Melichar, Alois". In: Oesterreichisches Musiklexikon online (letzte inhaltliche Änderung: 14.3.2004) [Stand:23.6.2025]
- Hans Jancik: "Melichar, Alois" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 14–15 [Online-Version, Stand 23.06.2025]
- Richard Bamberger / Franz Maier-Bruck: Österreich-Lexikon in zwei Bänden. Band 2: L-Z. Wien: Österreichischer Bundesverlag / Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1967
- Kurt Dieman-Dichtl: Musik in Wien. Wien [u.a.]: Molden 1970. Register
- Franz Rudolph Brauner: "Alois Melichar". In: Österreichische Musikzeitschrift, vol. 3 (1948), S. 266–268
- Richard A. Prilisauer: Versuch einer Musiktopographie der Stadt Wien. Vervielfältigung (Wiener Stadt- und Landesarchiv), Folge 12
Alois Melichar im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.
